Berufswelt Geothermie
Stromgewinnung aus Erdwärme ist ein junger und zukunftsträchtiger Industriezweig. Laut Experteneinschätzungen wird die Bedeutung der Nutzung von Geothermie u.a. durch das von der Bundesregierung im Jahr 2007 integrierte Energie- und Klimaprogramm zukünftig steigen. Die Branche der Geothermie erwartet ein jährliches Wachstum von etwa 14 Prozent. Laut des Bundesministeriums für Umwelt sind derzeit etwa 150 Projekte über Geothermie mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von etwa vier Milliarden Euro geplant. Die Branche verfügt über ein enormes Entwicklungspotential. Viele junge Akademiker technischer und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen, die sich außerordentlich für die Weiterentwicklung dieser erneuerbareren Energiequelle begeistern, haben vielversprechende Chancen auf eine erfolgreiche Karriereentwicklung.
Beschäftigung
Im Bereich der Geothermie sind in Deutschland derzeit etwa 500 Unternehmen tätig. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche liegt bei etwa 4.200. Davon sind 22 Prozent Akademiker. Die meisten Unternehmen beschäftigen zwischen einem und zehn Mitarbeiter. Unternehmen erwarten vor allem im Bereich der oberflächennahen Geothermie und in der tiefen Geothermie einen - im Vergleich zu anderen Sektoren der erneuerbaren Energie - überdurchschnittlichen Beschäftigungszuwachs in der Höhe von 74 Prozent. Als besonders wachstumsstark sehen Unternehmen die Bereiche Installation und Montage, Planung, Projektierung und Finanzierung sowie Forschung und Entwicklung. Dies sind jedoch auch die Segmente, in denen zukünftig mit dem größten Personalmangel gerechnet wird. Das Wachstum der Branche wird bereits heute durch einen zunehmenden Fachkräftemangel gebremst. Geothermie ist eine junge Branche. Dies und die mangelnde Finanzstärke erschweren den Abzug von qualifizierten Fachkräften aus anderen Branchen. Die Rekrutierung von hochqualifizierten Fachkräften erfolgt in der Branche zumeist auf informeller Weise. In der Regel werden keine Stellenanzeigen dafür geschaltet, sondern die Absolventen werden direkt in den Hochschulen rekrutiert.
Berufsgruppen
Das Spektrum der beruflichen Qualifikationsprofile in der Branche Geothermie ist sehr breit. Dies ist auf die Komplexität der Arbeitsprozesse vor allem im Bereich der tiefen Geothermie zurückzuführen. Hier fordern die unterschiedlichen betrieblichen Phasen Entwicklung, Planung und Umsetzung etc. eine starke Kooperation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Neben kaufmännischem Personal werden hierbei verstärkt Ingenieure, Naturwissenschaftler und Geologen eingesetzt.
Förderung von Kompetenz notwendig
Gleichermaßen wie in anderen Branchen der erneuerbaren Energie reagieren Unternehmen auf die quantitative und qualitative Defizite der eigenen Mitarbeiter durch intensive betriebliche Einarbeitung, Schulung und zielorientierte Zusatzqualifizierungen. Über 75 Prozent der Unternehmen glauben, dass die Vermittlung von branchenspezifischen Kenntnissen durch die Aufnahme von einschlägigen Inhalten in vorhandenen Ausbildungs- und Studiengänge gelingen könnte. Hierbei vermissen Unternehmen praxisbezogene Kenntnisse und vor allem Kompetenzen in den Bereichen Sondermaschinenbau und spezieller Geologie. Daher ist es erforderlich z.B. geologische, energiewissenschaftliche, juristische, projektorientierte oder verfahrenstechnische Kompetenzen mit den Inhalten eines geologischen oder ingenieurwissenschaftlichen Studiums zu verbinden. (Quelle: Unternehmensbefragung Wirtschaftsladen 2007)
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